Inhaltsverzeichnis 7-8/2010

Reformpädagogik – Nähe – Distanz

Moderation: Redaktion PÄDAGOGIK

Joachim Bauer
Die Bedeutung der Beziehung für schulisches Lehren und Lernen
Eine neurobiologisch fundierte Perspektive

Wo Menschen über längere Zeit mit Menschen zu tun haben, entsteht »Beziehung«. Was lässt sich über das Beziehungsgeschehen zwischen Lehrenden und Lernenden aus neurobiologischer Sicht sagen? Im Kern der pädagogischen Beziehung sieht Joachim Bauer wechselseitige Spiegelungs- und Resonanzvorgänge. Als deren Produkt beschreibt er zwei pädagogische Komponenten, die in eine Balance zu bringen seien: Einfühlung und Führung. Beide bedürfen einer sorgfältigen Regulierung auf der Nähe-Distanz-Skala.

Klaus-Jürgen Tillmann
Erziehungswissenschaft und Reformpädagogik auf der Anklagebank?
Anmerkungen zur aktuellen Missbrauchsdebatte

Seit den aktuellen Missbrauchsfällen gibt es scharfe Anfragen an »die Reformpädagogik«, aber auch an die Erziehungswissenschaft. Was ist die Zielrichtung der Kritik? Wer hat sich welcher Verantwortung zu stellen? Welche Lücken in Prävention und Forschung lassen sich identifizieren? Der Beitrag ordnet die zeitweise turbulente Diskussion und skizziert Schritte zur Bearbeitung von drängenden und langfristigen Fragen und Problemen.

Jürgen Oelkers
Reformpädagogik, Staat und Professionalität   
Pädagogische Reformen bedürfen keiner eigenen »Reformpädagogik«

Welche Bedeutung hat Reformpädagogik für die Entwicklung der modernen Schule? Zu dieser Frage gibt es unter Erziehungswissenschaftlern kontroverse Einschätzungen. Könnte es sein, dass die entscheidenden pädagogischen Fortschritte wenig mit dem zu tun haben, was in Deutschland üblicherweise als »Reformpädagogik« bezeichnet wird? Diese These vertritt Jürgen Oelkers im nachstehenden Beitrag. Hans Brügelmann hält im folgenden Beitrag dagegen.

Hans Brügelmann
Ohne persönliche Zuwendung verkommt Pädagogik zur Technik
Die Pauschalkritik an der Reformpädagogik geht fehl

Ganz anders als Jürgen Oelkers sieht Hans Brügelmann die Bedeutung reformpädagogischer Impulse für die Staatsschule. So heterogen die Strömungen sind, die unter dem Etikett »Reformpädagogik« zusammenfasst werden: Sind nicht im Blick auf die Wertschätzung von Individualisierung und persönlicher Zuwendung, von Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Demokratisierung von ihnen wichtige Anregungen ausgegangen?

Otto Seydel
Pädagogische Begegnung
Zur Rehabilitierung eines ins Gerede gekommenen Begriffs

Was ist eine Reformschule? Kinder fragen so nicht. Ihnen sind andere Dinge wichtig.
Schulen, die sich darum bemühen, allen Kindern in ihrer Unterschiedlichkeit gerecht zu werden, sind Reformschulen im Sinne dieses Beitrags. Wir brauchen keine Debatten über historische Reformpädagogik, sondern müssen fragen, was Schulen in diesem Sinne gut macht.

Ulrike Kegler
Persönlichkeitsbildung zwischen Nähe und Distanz

Eine Pädagogik ohne Nähe zwischen Personen wäre unmenschlich. Distanzlose oder übergriffige Pädagogen haben schreckliche Wirkungen. – Diese beiden Sätze umreißen das Problem der richtigen Balance. Im Kontext der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion über sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen versucht die Autorin zu versachlichen: durch Differenzierung, Offenheit und klare pädagogische Positionen.

Alfred Hinz
Ohne Reformpädagogik keine Reformschule

Die Reformpädagogik ist in Misskredit geraten. Aber halt – was heißt Reformpädagogik? Pädagogen wie Alfred Hinz geht es nicht um irgendwelche Sonderlinge aus dem vorigen Jahrhundert, sondern um eine Schule, die sich zuerst und vor allem den ihr anvertrauten Kindern verpflichtet fühlt und weiß, was sie tut. Der Beitrag zeigt, wie auf dieser Grundlage Reform gelingen kann.

Gerhard Eikenbusch
Heiligenscheine verbrennen
Warum Missbrauch die Reformpädagogik besonders treffen muss

Seit die Missbrauchsfälle an Reformschulen bekannt wurden, wird diskutiert, ob diese Fälle etwas mit dem Konzept, dem Programm und der Arbeit der Reformpädagogik zu tun haben. Diese Vermutung wird durchweg zurückgewiesen und interpretiert als ein Versuch, mit der Reformpädagogik abrechnen und ihr den Nimbus des Besonderen nehmen zu wollen. Vielleicht kann dieser Versuch der Reformpädagogik aber auch nutzen.

Heinz-Elmar Tenorth
Wurzeln der Reformpädagogik

»Reformpädagogik« hat mehrere Wurzeln und unterschiedliche Gestalten: historisch, als längst versunkene pädagogische Reformaktivitäten im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert vor allem in Westeuropa und den USA; aktuell, als Etikett für eine Vielzahl durchaus heterogener Programme ›guter‹ Erziehung, auf die historische Reformpädagogik meist nur noch locker bezogen; diskursiv, als eine professionell gepflegte, sich selbst anregende Überlieferung.

Web 2.0 im Unterricht

Moderation: Jochen Schnack

Jochen Schnack
Das Ende der Kreidezeit?
Lernen im Web 2.0

Seit ein paar Jahren geistert das Web 2.0 durch die Zeitschriften, aber ist es mehr als nur ein Schlagwort? Welche pädagogischen Potentiale stecken darin, wenn das Internet immer mehr zu einer Welt-Gemeinschaft wird, in die jeder Einzelne sich einbringen kann? Eine Einführung ins Thema.

Anja Buntrock/Sanna Tauriainen/Wolfgang Weber
Kommunikation und Kooperation in der Schule – und darüber hinaus
Wie eine Schule digitale Medien auf vielen Ebenen nutzen kann

Internetgestützte Kommunikation als Grundprinzip einer ganzen Schule – das ist für viele Schulen eine neuartige Vorstellung. Die Deutsche Schule Helsinki hat sich auf den Weg gemacht und umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Welche Bereiche können einbezogen werden? Was gibt es dabei zu bedenken?

Thomas Iser
Von der Tafel direkt ins Web 2.0    
Das interaktive Whiteboard als Unterrichtswerkzeug

Seit ein paar Jahren halten die interaktiven Whiteboards Einzug in die Klassenräume und mit ihnen völlig neue Möglichkeiten zur gemeinsamen Nutzung von Medien. Wie können diese Möglichkeiten für die Gestaltung eines schüleraktivierenden und individualisierten Unterrichts genutzt werden? Welche Hindernisse müssen dabei überwunden werden?

Matthias C. Fink
Feedback über das Internet
Selbstgesteuertes Lernen mit ePortfolios

Portfolios eignen sich gut zur Unterstützung eines individualisierten Unterrichts. Sie lassen sich auch elektronisch führen – entsprechende Plattformen stehen zur Verfügung. Welche Vorteile hat dies? Was ist dabei zu beachten? Der Autor stellt Erfahrungen aus einem hessischen Projekt vor.

Evelyn Stepancik
Voneinander lernen
Wikis im naturwissenschaftlichen Unterricht

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia kennt jeder, und sie hat das Lexikon als Nachschlagewerk vielerorts verdrängt. Dass die Wiki-Technologie jedoch für jedermann zur Verfügung steht und also auch im Unterricht genutzt werden kann, ist weit weniger bekannt. Welche Lernchancen stecken darin? Was muss man beachten, wenn man Wikis im Unterricht einsetzt?

Ines Lessing
Würde wahren im WorldWideWeb
Medienkompetenz ist mehr denn je praktische Ethik

Von Google zu Goggles, Twittern, Bloggen und Chatten im Web 2.0 – die technischen Möglichkeiten, sich Informationen zu beschaffen und auch selbst zu produzieren, entwickeln sich explosionsartig. Doch wer daran teilnimmt, hinterlässt Spuren, die ihm später schaden können. Was kann die Schule tun, um die Kinder und Jugendlichen über die Gefahren des Web 2.0 aufzuklären?

Peter Koch/Thomas Unruh    
Zeitgemäß und notwendig
Webbasierte Kommunikationsräume in der Lehrerausbildung

Nicht nur in der Schule, auch in der Lehrerausbildung können Web 2.0-Anwendungen sinnvoll eingesetzt werden, vor allem für die Kommunikation zwischen Ausbildern und Referendaren. Durch das Internet kann das Problem der unterschiedlichen Ausbildungsorte abgemildert werden. Welche Anwendungen bieten sich an? Was ist dabei zu beachten?

Beitrag

Siegfried Arnz
Die neue Schul­struktur in Berlin
Bessere Chancen für alle

Serie

Was wissen wir über »Lernen«?
7. Folge

Arno Combe
Wie lassen sich in der Schule Erfahrungen machen?
Lernen aus Sicht der Erfahrungstheorie

Pädagogik:kontrovers

Bildung für Fünfjährige?
PRO: Peter May
CONTRA: Martin Peters

Rezensionen

Jörg Schlömerkemper
Forschung für Lehren und Lernen

Magazin

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PS

Reinhard Kahls Kolumne
Es geht!