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Editorial

Führen heute – Die Quadratur des Kreises

Führen und Führung war im Laufe der Jahrzehnte bereits vielfach Thema und auch öfters Themenschwerpunkt der Zeitschrift. Wir haben diesen Fokus nun wieder gewählt, weil es uns wichtig erscheint, den aktuellen Zustand eines sehr relevanten Themas für die Supervision neu zu beleuchten. Führen begegnet uns in der Supervision in verschiedener Hinsicht: Geführt werden soll eine Organisation, ein Bereich, eine Abteilung, ein Projekt oder ein Team, und gut führen sollte man sich selbst. Ein wichtiger Bereich, in dem sich Supervision stets bewegt, ist aber auch das Thema geführt – werden und sich führen – lassen, also die Supervision mit den Geführten.

Führung und Führen scheint immer und überall. Mehr denn je oder nur von vielen mehr ausgeführt? Ob nun aktuell tatsächlich mehr Führung stattfindet bzw. mehr Führungsbedarf besteht, kann nicht beantwortet werden. Festgestellt werden kann aber, dass Führen/Führung als Profession, Führen/Führung als Prozess und Führen/Führung als Praxis und in der Theorie bunt schillernd und mit Ansprüchen, die einer Quadratur des Kreises gleichen, existiert. Neben Organisationen und Personal führen zeigt sich, das „sich selbst führen“ verstärkt in den Mittelpunkt rückt und eine Dauerpräsenz einnimmt, ausführlicher dazu Brigitte Hausinger in ihrem Artikel. Begrifflich lässt sich kaum definieren, was heutzutage tatsächlich unter Führung, Führen, Leitung, Leadership oder Management verstanden wird und welche Unterschiede bestehen. Bernhard Krusche unterhält sich mit Dirk Baecker darüber.

Soviel vorweg und wen überrascht es, Führen und Führung ist nicht einfacher und leichter geworden, trotz vieler Erfahrungen, Er- und Beforschungen und einer
umfassenden Verwissenschaftlichung. Gerade die zahlreichen Veränderungen in der Arbeitswelt wie Globali-sierung, Informatisierung, Deregulierung mit ihrer einhergehenden Entgrenzung, Flexibilisierung und Heterogenisierung brachten unzählige und zum Teil neue Herausforderungen für Führung und Führen. Günter Ortmann und Theresia Volk verdeutlichen Unmöglichkeiten und ausgeblendete Foki.

Führungsfunktionen sind über alle Hierarchiestufen hinweg mittlerweile mit einer Reihe von ungewohnten Anforderungen, vielen Fragen und hohen Unsicherheiten konfrontiert. In diese Welten führen uns die Beiträge von Angela Gotthardt-Lorenz und Susanne Ehmer.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe wird abgerundet durch Reinhard Jost. Er beschäftigt sich mit der vernachlässigten Facette von Führung als Kompetenz der Supervisor/innen in der Supervision. Und der freie Beitrag von Birgit Lutzer gibt Hinweise für eine lohnenswerte Pressearbeit von Berater/innen.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern anregende Impulse für ihre Arbeit!
  
Brigitte Hausinger und Angela Gotthard-Lorenz