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JANOSCH

 JANOSCH

Am 11. März 1931 wurde in der oberschlesischen Bergarbeitersiedlung Hindenburg, das heute zu Polen gehört und Zaborze heißt, Horst Eckert geboren. Heute lebt er in seinem Paradies, einem alten Backofenhaus, hoch in den Bergen von Teneriffa.

Wie sein berühmtestes Buch "Oh, wie schön ist Panama" haben alle seine Geschichten und Romane mit ihm selbst zu tun. Grimms Märchen, die er nacherzählte, sind in ihrer Perspektive einzigartig. Er kehrt die Geschichten um, der Wolf frisst die Mutter, die fortan nie mehr behaupten wird, ihre sieben Geißlein-Kinder seien dumm. Der Froschkönig verliert seine goldene Luftkugel; ein nicht "besonders schönes Mädchen mit Haaren wie Stroh und zu kurzen Beinen bringt sie ihm wieder - und will ihn prompt heiraten. Aber der Froschkönig will nicht. Die Kleinen und die Benachteiligten sind die Starken, die Großen die Dummen.

Gegen Ängste der Kinder möchte Janosch mit seinen Werken ankämpfen, wohl auch, weil er genau weiß, wie Kinder auf Drohungen und Furchteinflößendes reagieren. Er selbst wurde ab dem 7. Lebensjahr von einem Jesuitenpater erzogen, der ihn lehrte, dass die Strafe der Kirche unbarmherzig und das Fegefeuer der Hölle vernichtend ist. Auch die Schule war so eine Hölle, aber die musste er zum Glück nur bis 1944 besuchen. Da war er dreizehn und bekam chronische Gelbsucht. Seine Kindheit sei sein größtes Unglück gewesen, sagt Janosch heute. 35 Jahre lang habe er gebraucht, um diese Kindheit zu vergessen.

1946 fliehen seine Eltern in den Westen. Janosch arbeitet in Textilfabriken in Oldenburg. In einer Textilschule lernt er Musterzeichnen und entwirft Hemdenstoffe. Aber Janosch hält es in festen Arbeitsverhältnissen nicht aus. Er will Maler werden. Und frei sein. So wandert er 1953 nach München, um an der Kunstakademie eine Ausbildung zu beginnen. Nach diversen Probesemestern, die sich über fünf Jahre hinziehen, fliegt er von der Schule. Doch Janosch spürt, dass nur das Malen ihm ein Leben in Freiheit ermöglicht. 1960 zeichnet er sein erstes Kinderbuch "Die Geschichte von Valek dem Pferd".

1971 kommt er dann zum Verlag Beltz & Gelberg, über den Janosch schreibt: "[Ein Verlag], der sich sehr einsetzte, der engagiert war, mich auch mitriss. Wenn es mir anfangs bei dieser Arbeit um nichts weiter ging, als davon zu leben, engagierte ich mich jetzt. Die Geschichten bekamen einen Sinn, ich hatte ein Anliegen. Es entstehen die eingangs erwähnten Bücher "Janosch erzählt Grimms Märchen" und "Oh, wie schön ist Panama", für das er 1979 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde und das den Beginn einer Reihe markiert, die inzwischen sieben Bände umfasst.

Über 100 Kinderbücher hat er geschrieben, die in 27 Sprachen übersetzt wurden. Manche Berichte sagen gar, es seien 220 Bücher in 74 Sprachen. Das weiß wohl nur Janosch ganz genau.

Als Janosch 48 Jahre alt ist, kehrt er Deutschland den Rücken, verkauft sein Haus und zieht in eine kleine Hütte auf Teneriffa, wo er ein friedliches, ruhiges Leben führt, auch wenn er seinen Zorn auf alles, was die Kinder- und Menschenseele unterdrückt, nicht vergessen hat. In seinen Kinderbüchern spiegelt sich seine Seele. Die Kleinen und die Außenseiter sind mächtig und anrührend zugleich. Sie leben in einfachsten Verhältnissen und sind damit zufrieden. Janosch sagt es mit den Worten seines Hasen Baldrian: Ich brauche nichts. Ich habe alles, was ich brauche. Nämlich nichts.

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