Klassenlektüren – Anregungen und Tipps

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1. Wie wähle ich eine geeignete Lektüre für meine Klasse aus?

Ein Kinder- oder Jugendroman eignet sich dann besonders als Klassenlektüre, wenn er

  • Lesebedürfnisse der Schülerinnen und Schüler (v.a. Spannung, Abwechslung, Humor, Identifikationsmöglichkeiten) befriedigt,
  • in Beziehung steht zu ihrem Entwicklungsstand, ihre Themen aufgreift und diese weiter führt,
  • es wahrscheinlich macht, dass alle oder zumindest die meisten Schüler/innen der Klasse das Buch ganz lesen,
  • Lebensentwürfe vermittelt, die den Schüler/innen bislang eher neu sind,
  • seine Themen so behandelt, dass auch Nicht-Experten einen Einblick gewinnen können,
  • dem Leser hilft, sich selbst besser zu verstehen,
  • einige gute Rezensionen bzw. Kritiken in der Fachpresse hat,
  • einem sprachlich-ästhetischen Standard entspricht,
  • in Wortschatz und Syntax altersgemäß ist,
  • sprachliche und stoffliche Klischees vermeidet,
  • sprachlich, stofflich und erzählkonzeptionell originell ist,
  • einen Autor/eine Autorin hat, die/der auch andere empfehlenswerte Werke geschrieben hat,
  • einen erschwinglichen Kaufpreis hat,
  • wenn es fachdidaktisch fundiertes Begleitmaterial dazu gibt,
  • wenn er Mut zum Leben macht,
  • mir als Lehrer/in selbst Freude macht, zu diesem Buch zu unterrichten.

Mit der Lektürensuchmaschine können Sie nach Themen, Klassenstufen und weiteren Merkmalen filtern. Zu allen Lektüretipps gibt es Arbeitshefte in der Reihe »Lesen. Verstehen. Lernen«.

Sie können sich von jeder Lektüre Prüfstücke mit 25 % Prüfstückrabatt anfordern. Zum Nachweis der Berechtigung brauchen wir einen Schulstempel, deshalb geht's leider nicht per Mail. Bitte verwenden Sie unseren Prüfstückbestellschein (pdf, 400 KB).

In der Broschüre »Klasse Lektüre« finden Sie auf 128 Seiten weitere Lesetexte der Verlage Carlsen und Beltz & Gelberg:
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2. Welchen Zielen kann mein Literaturunterricht dienen?

Wie jeder andere Unterricht steht auch der Deutschunterricht, der Kinder- und Jugendliteratur zum Gegenstand hat, vor der Aufgabe, zuerst eine Zielbestimmung vorzunehmen, bevor es darum geht, das methodische Setting, die Arbeitsformen oder konkrete Arbeitsaufträge zu konzipieren.

Was können nun aber Ziele eines Unterrichts mit Kinder- und Jugendliteratur sein? Welche Kompetenzen können im Umgang mit Kinder- und Jugendliteratur erworben werden?

Es bietet sich folgende Untergliederung an, wobei sich naturgemäß Überschneidungen ergeben:

  • Ziele im Bereich der Lesekompetenz
  • Ziele im Bereich des literarischen Lernens (literarästhetische Ziele)
  • Ziele im Bereich des Sprechens und Schreibens zu bzw. über Texte
  • Ziele im Bereich der Lesemotivation und Leseförderung
  • Ziele im Bereich der Romaninhalte
  • Ziele im Bereich der Identitätsentwicklung und der Werteerziehung bzw. Moralerziehung

Die Reihenfolge ist nicht ganz zufällig: Zum Beispiel kann es durchaus sinnvoll sein, mit der Behandlung eines Textes vor allem moralische Ziele anzustreben. Dennoch wird dies nicht sinnvoll möglich sein, ohne dass die Schüler/innen vorher Einsichten zum Inhalt und zur literarästhetischen Gestalt des Textes sowie der Bezüge zwischen Inhalt und Form erworben haben. Ansonsten steht der Literaturunterricht in der Gefahr, lediglich moralische Fragen zu erörtern und den literarischen Text gänzlich außer Acht zu lassen.

3. Wie kann ich eine Unterrichtseinheit zu einem Roman konzipieren?

Ein Unterricht mit Kinder- und Jugendliteratur, der sich nicht nur zum Ziel setzt, bestimmte literarische und sprachliche Kompetenzen auszubilden, bestimmte Werthaltungen der Schüler/innen zu beeinflussen oder Weltwissen zu vermitteln, sondern der sich auch als Teil eines übergreifenden Konzeptes der »Leseförderung« begreift, muss auf die Leseinteressen und Lesehaltungen der Kinder und Jugendlichen eingehen.

Dieser Unterricht muss beabsichtigen, dass durch ihn den Schüler/innen das Lesen selbst nicht verleidet wird, sondern die Lesemotivation insgesamt erhöht wird. Es geht letztlich darum, die „Brückenfunktion“ der Kinder-und Jugendliteratur auszufüllen: Aus jugendlichen Leser/innen sollen erwachsene Leser/innen werden.

Daher halten wir im Grundsatz einen Unterricht nach dem Motto »Erschließend, nicht erschöpfend« für empfehlenswert. Es sollte also beim Lesen von Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht nicht um das kleinteilige, sich hinziehende »Durchnehmen« eines Textes gehen, sondern um dessen Erschließung, um das differenzierte Aufschließen von individuellen Bedeutungsbezügen, um besonders geeignete Textauszüge und jeweils auf die Klasse bezogene Textaspekte im Rahmen eines gemeinschaftlichen Lektüreerlebnisses.

Eine Analyse des didaktischen Profils eines zu lesenden Romans sollte daher sowohl Aspekte der Leseförderung, andererseits aber auch Ansätze zum literarischen Lernen auf mehrere Dimensionen beziehen: Beim Wirklichkeitsbezug des Romans, bei den Thematiken, den Figuren sowie den sprachlich-stilistischen Merkmalen und den literarischen Formelementen. Auf Grund einer solchen didaktischen Textanalyse können dann Schwerpunkte (z.B. in Form von Modulen) für die zu planende Unterrichtseinheit in Ihrer konkreten Klasse vorgenommen werden.

Zusammenfassende Tipps:

  • Gestalten Sie Ihren Unterricht zu einer Klassenlektüre nach dem Prinzip »Erschließend, nicht erschöpfend«: Verabschieden Sie sich von dem kleinschrittigen Durchkauen des gesamten Buches. Setzen Sie stattdessen Schwerpunkte.
  • Verbinden Sie kognitiv-analytische und handlungs- und produktionsorientierte Verfahren.
  • Lassen Sie Raum für individuelle Leseweisen und Interpretationen der Schüler/innen.
  • Räumen Sie Unterrichtszeiten ein, in denen still gelesen werden kann.
  • Lesen Sie vor.
  • Ergänzen Sie die Behandlung von Klassenlektüren mit individuellen Lektüren.

4. Welche Methoden kann ich bei der Behandlung einer Klassenlektüre anwenden?

Um gewinnbringend mit einem Roman im Unterricht zu arbeiten, ist es ratsam, vielfältige Methoden einzusetzen. Hier eine offene Ideensammlung entlang der Bildungsstandards für den Mittleren Bildungsabschluss der KMK:

Methoden nach den Bildungsstandards

5. Was bietet mir die Beltz-Arbeitsheftreihe »Lesen. Verstehen. Lernen«?

Die Hefte und Downloads der Beltz-Reihe »Lesen – Verstehen – Lernen. Materialien für einen handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht« stehen für einen Literaturunterricht, der

  • literarisches Lernen anbahnt und vertieft,
  • Lesekompetenz fördert,
  • Leseförderung betreibt,
  • das Weltwissen erweitert und
  • die Identitätsentwicklung der Schüler/innen unterstützt.

Über das Lesen und Verstehen von Kinder- und Jugendromanen geht es darum, vielfältige bedeutsame Lernprozesse bei den Schüler/innen in Gang zu setzen.

Die Hefte stehen in Beziehung zu einer Buchauswahl, die sich sowohl an den sprachlichen und literarischen Voraussetzungen als auch an den inhaltlich-thematischen Lesebedürfnissen der Schüler/innen orientiert.

Die Hefte unterstützen die Lehrerin/den Lehrer dabei, schülerzentriert, methodisch vielfältig und zugleich literarisch anspruchsvoll zu unterrichten. Sie bieten einerseits grundlegende Informationen, Analysen und didaktische Reflexionen zum Roman, stellen einen möglichen Verlauf einer Unterrichtseinheit vor und beinhalten zahlreiche kopierfähige Arbeitsblätter für den sofortigen Einsatz im Unterricht.

Die Hefte „Lesen – Verstehen – Lernen. Materialien für einen handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht“ gehen von unterschiedlichen Lernwegen der Schüler/innen aus. Sie erkennen an, dass in jeder Klasse sowohl leistungsstärkere wie leistungsschwächere Schüler/innen sind und ermöglichen es, auch lese- und leistungsschwächeren Schüler/innen ohne Abstriche literarische Bildung zu vermitteln.

Die Kopiervorlagen bieten den Schüler/innen eine ausgewogene Mischung an verschiedenen Sozialformen und Arbeitsformen. Im Vordergrund sollte insgesamt die handelnde, lustvolle und lesefördernde Auseinandersetzung mit einem literarischen Text stehen, ohne dass literarische Aspekte vernachlässigt werden.

Um den vielfältigen Lernvoraussetzungen und Lernwegen der Schüler/innen entgegen zu kommen, sind die Kopiervorlagen in aller Regel differenzierend gestaltet. Das bedeutet, dass sowohl lese- und lernschwächere Schüler/innen als auch lernstärkere Schüler/innen damit arbeiten können. Lernschwächeren Schüler/innen können vielfältige Unterstützungen, Impulse und Vermittlungshilfen gegeben werden, z.B. Formulierungshilfen, Recherchetipps, positive Vorlagen, Wortmaterial, der Anfang eines Mind-Map, Textverweise und Auffindhilfen zum Romantext u.v.m.  Lernstärkere Schüler/innen finden immer wieder weiterführende, umfangreichere und/oder schwierigere Aufgaben und Arbeitsideen. Jedes Material kann möglichst in jeder Schulart dieser Klassenstufen (bei der Sekundarstufe I Hauptschule bis Gymnasium) eingesetzt werden.

Arbeitsaufträge lassen (v.a. bzgl. der Sozialform) den Lehrer/innen möglichst viel Freiheit bei der Realisierung im Unterricht.

Die Hefte und Downloads sind auf die Lehrpläne und Bildungsstandards im Fach Deutsch abgestimmt und werden von erfahrenen Lehrer/innen erstellt. Jede Unterrichtseinheit wurde im Unterricht erprobt und von Schüler/innen getestet. 

6. FAQ zum Thema Klassenlektüren im Unterricht

Wie finde ich eine geeignete Klassenlektüre?

  • Nehmen Sie Ihren Bildungsplan und die Lektüre-Empfehlungen zur Hand,
  • fragen Sie Kolleg/innen nach Tipps für gute Klassenlektüren,
  • lesen Sie in Deutschbüchern für Ihre Klassenstufe,
  • orientieren Sie sich beim Angebot der Kinder- und Jugendbuchverlage,
  • lesen Sie selbst aktuelle Kinder- und Jugendliteratur,
  • informieren Sie sich bei Kinder- und Jugend-Bibliotheken und  Buchläden,
  • lesen Sie Rezensionen (z.B. in lesebar.de oder in der Zeitschrift „Eselsohr“)
  • lassen Sie die Schüler/innen, z.B. nach einem Bibliotheksbesuch, Bücher in der Klasse vorstellen

Soll zusammen ein Roman oder parallel mehrere Romane gelesen werden?

Gute Frage. Beides hat Vor- und Nachteile. In aller Regel ist es aber besser (vor allem in den unteren Klassenstufen), wenn ein Roman gemeinsam gelesen und behandelt wird. Innerhalb dieser Unterrichtseinheit empfiehlt es sich, eine offenere, projektorientierte Phase einzulegen, in der Schüler/innen dann auch andere Bücher vergleichend lesen und der Klasse präsentieren können.

Soll der Lehrer oder sollen die Schüler über die Klassenlektüre entscheiden?

Am ehesten beides. Manchmal wird es so sein, dass Sie als Lehrer/in unbedingt einen bestimmten Roman lesen möchten oder sollen; ein anderes Mal macht es Sinn, mehrere Romane zur Auswahl zu stellen und die Schüler/innen abstimmen zu lassen.

Was mache ich, wenn die eine Hälfte der Klasse (oder die Jungen) das eine Buch lesen will, die andere Hälfte (z.B. die Mädchen) das andere Buch?

Wenn man die Schüler/innen abstimmen lässt, passiert es zuweilen, dass die eine Hälfte das eine Buch unbedingt lesen will, während die andere Hälfte unbedingt ein anderes Buch lesen will. Manchmal sind es dann Mädchen und Jungen, die sich gegenüberstehen und versuchen eine Mehrheit für „ihr“ Buch zu organisieren:

  • Manchmal muss man dann einfach die Mehrheit entscheiden lassen.
  • Manchmal kann man eine Entscheidung mit einem Entgegenkommen verbinden, z.B. „Ok, in diesem Halbjahr lesen wir den Roman, den vor allem die Mädchen wollten. Im nächsten Halbjahr dürfen dann die Jungs bestimmen, in Ordnung?“
  • Manchmal kann man auch zwei Romane parallel und vergleichend lesen.

Wie kann ich im Unterricht eher gelenkte Phasen mit eher offenen Phasen verbinden?

Am besten Sie denken in Modulen. Es gibt eher gelenktere Module (z.B. wird der Roman gemeinsam im Rahmen von zwölf Unterrichtsstunden behandelt) und anschließend gibt es eine offenere Projektarbeit, in der die Schüler/innen individuelle Schwerpunkte setzen können. Am Ende werden die Leseerfahrungen und Bewertungen in einer gemeinsamen Abschlussbesprechung und/oder Präsentation zusammengefasst.

Ein literarischer Text hat doch einen festgelegten Textsinn, oder?

Leider bzw. zum Glück nein. Rezeptionstheoretisch gesehen kann man sagen: Der Text entsteht erst im Gehirn des Lesers/der Leserin. Das heißt: In Ihrer Klasse mit 25 Schüler/innen gibt es 26 verschiedene Textverständnisse (25 von den Schüler/innen und ihr eigener). Von daher seien Sie bitte vorsichtig mit vermeidlich festen Interpretationen.

Wie gehe ich mit Text-Interpretationen der Schüler/innen um, die quer zu der Fachliteratur bzw. quer zu meinen eigenen Vorstellungen liegen?

Seien Sie dankbar, dass die Schüler/innen diese in den Unterricht einbringen und loben Sie die Schüler/innen dafür. Greifen Sie die ungewöhnlichen Interpretationen auf und untersuchen Sie gemeinsam mit Ihren Schüler/innen, ob die Interpretationen tragfähig sind, z.B. durch vertiefte Lektüre im Roman. Vielleicht können Sie dazu auch eine zusätzliche Hausaufgabe geben, sodass ein/e Schüler/in sich eine zusätzliche gute Note erarbeiten kann.

Was kann ich tun, wenn einige Schüler im Leseprozess abbrechen, also im Roman nicht weiterlesen?

Es soll Lehrer/innen geben, denen es egal ist, ob die Schüler/innen das Buch auch wirklich lesen oder ob sie stattdessen einschlägige Quellen im Internet oder bei verschiedenen Lektürehilfen zur Hand genommen haben. Am besten, Sie lesen wirklich mit der Klasse zentrale Kapitel oder Szenen im Roman und tauschen sich dann über die individuellen Leseweisen aus. Darüber hinaus helfen Kapitelexperten, (jede/r Schüler/in ist Expertin für mindestens ein Kapitel des Buches), die ganze Klasse wieder auf die Lese-Spur zu bringen.

Was mache ich während der Unterrichtseinheit, wenn ich merke, dass die große Mehrheit der Klasse vom Roman wenig begeistert ist?

Das ist sicherlich schwierig für Sie. Sie haben sich auf eine anregende, interessante Unterrichtseinheit gefreut, haben sich gut vorbereitet und merken nun, dass der Roman bei den meisten Schüler/innen nicht besonders gut ankommt. In aller Regel wird es das Beste sein, wenn Sie die Widerstände im Unterricht thematisieren (z.B. in Form einer Talkshow, in der Pro- und Kontra-Positionen zum Roman ins Gespräch kommen). Oder aber Sie schieben eine thematische Aktion zum Romanthema dazwischen, um neue Motivation zu entfachen. Oder Sie lassen die Schüler/innen ihre Sichtweisen in Form eines Briefes oder einer Sammel-Mail an den Romanautor verdichten. Wenn gar nichts mehr hilft, bringen Sie Ihre Unterrichtseinheit anständig zu Ende. Ganz sicher klappt es beim nächsten Mal besser.

Wie kann ich mit einer Lernzielkontrolle die Unterrichtseinheit abschließen?

Da gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie z.B. das Lesetagebuch oder den Leseordner zum Roman einsammeln und bewerten oder eine Reportage oder andere Textarten zum Roman schreiben lassen. Gut kommt oft auch an, wenn die Schüler/innen die Form der Lernzielkontrolle selbst auswählen können (z.B. als Rollenspiel, als Hypertext oder als Abschluss-Interview mit einer Figur).

Die Herausgeber der Reihe »Lesen. Verstehen. Lernen«

Regine Schäfer-Munro ist Grundschullehrerin und war wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem deutschdidaktischen Forschungskolleg der Pädagogischen Hochschule Heidelberg sowie kommissarische Schulleiterin.

Marc Böhmann, Dipl.-Päd., ist Lehrer an einer Grund- und Werkrealschule und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem deutschdidaktischen Forschungskolleg der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Dr. Peter Schallmayer ist Lehrer an einer beruflich bildenden Schule und war Teaching Assistant am Institut für deutsche Sprache, Literatur und Kultur der Universität Kingston, Kanada.

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