Kriminologisches Journal | BELTZ

Kriminologisches Journal

Drogentests und ´Alltags-Präemption´

Zusammenfassung

Die US-Administration unter George W. Bush hat auf die Anschläge von 9/11 mit der Modifikation von Teilen ihrer Sicherheitspolitik reagiert, was insbesondere mit der Redefinition des militärischen Kriteriums der Unmittelbarkeit einer bevorstehenden Bedrohung verbunden war. In den Security Studies wird dies unter dem Stichwort Präemption - im Sinne einer präventiven Rationalität - verhandelt. Im Zuge einer solchen Denk- und Anwendungslogik sollen vorbeugende Maßnahmen nicht mehr erst dann eingesetzt werden, wenn bereits greifbare Verdachtsmomente für einen Anschlag erkennbar sind, sondern schon dann, wenn sich das Sicherheitsrisiko noch gar nicht konkret zu erkennen gegeben hat. Es wird vorliegend unter Rückgriff auf empirisches Material aus Dokumenten und Interviews exemplarisch gezeigt, dass eine derartige Denk- und Bearbeitungsweise von zukünftigen Sicherheitsrisiken auch in alltäglicheren Kontexten zur Anwendung kommt, nämlich bei verdachtsunabhängigen Drogentestanwendungen an bundesdeutschen Arbeitsplätzen, in deren Rahmen ArbeitnehmerInnen bzw. BewerberInnen anlassunabhängig auf ihr Drogenkonsumverhalten geprüft werden.

Schlüsselwörter: Drogentests, Risiko, Sicherheit, Prävention, Präemption, Worst-Case-Szenarien, Universalisierung des Verdachts



The US-administration under George W. Bush reacted on the attacks of 9/11 with a modification of its security policy, which particularly involved the redefinition of the criterion of imminence in course of preventive military practices. Under the heading of preemption, this is debated in Security Studies - as a special preventive rationality. In the course of this logic, preventive activities shall not just be executed until concrete indications for an attack exist, but already when the security risk is not yet visible. At hand, by drawing on empirical data from documents and interviews, it is exemplarily shown that this preemptive style of reasoning is also executed in mundane contexts of risk, namely in the context of suspicionless drug testing at German workplaces, where employees and/or applicants are controlled concerning their drug consumption habits without provoking suspicion by their own behavior.

Keywords: drug testing, risk, safety, prevention, preemption, worst-case-scenarios, universalization of suspicion

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Beitrag
Drogentests und ´Alltags-Präemption´
Kriminologisches Journal (ISSN 0341-1966), Ausgabe 02, Jahr 2018, Seite 106 - 122

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Titel

Drogentests und ´Alltags-Präemption´

Zeitschrift

Kriminologisches Journal (ISSN 0341-1966), Ausgabe 02, Jahr 2018, Seite 106 - 122

DOI

10.3262/KJ1802106

Print ISSN

0341-1966

Verlag

Beltz Juventa

Autoren

Simon Egbert

Schlagworte