Aktuelles | BELTZ
Freitag, 08. Mai 2015

Klaus Kordons Roman als Theaterstück

Die Drehbühne Berlin spielt »Krokodil im Nacken« in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen 1972:
Nach gescheiterter Republikflucht in Bulgarien verhaftet, sitzt Manfred Lenz, in Einzelhaft. Was ist aus seiner Frau Hannah und seinen Kindern geworden? War es das wert? War es ein Fehler, ein solches Risiko einzugehen? Wochenlang ist Manfred Lenz endlosen Verhören ausgesetzt. Der einzige menschliche Kontakt, den er in dieser Zeit hat, ist der zu seinem Stasi-Verhörer, ein Mann in seinem Alter, der seine DDR so ganz anders sieht als er. Wie kam es, dass er, Manfred Lenz, sich zu diesem riskanten Schritt entschieden hat?

Die Theaterumsetzung des autobiographischen Romans  von Klaus Kordon, »Krokodil im Nacken« der 2003 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, schafft tiefe Einblicke in die Torturen der Stasi und die inhumanen Haftbedingungen in der Stasi-Untersuchungshaft. Was passiert mit Jemandem, der wochenlang nicht weiß, was im nächsten Moment passieren wird; dem man nicht sagt, wo sich seine Kinder befinden und ob er sie überhaupt irgendwann wiedersehen wird? Werden Schuldgefühle ihn zerfressen? Manfred Lenz übersteht die Zeit nicht zuletzt auch mit Hilfe seiner Phantasie. Er lässt in Gedanken - und mithilfe der Gegenstände seiner Einzelzelle auch vor den Augen des Publikums - Figuren aus seiner Vergangenheit lebendig werden. Angefangen bei seiner Kindheit im Nachkriegs-Berlin der 40er Jahre, über die Zeit des Mauerbaus, bis hin zu den Frustrationen und Kuriositäten des Alltags in der DDR.

Die Drehbühne Berlin will mit der aktualisierten Wiederaufnahme des 2006 an gleicher Stelle zur Uraufführung gebrachten Stücks nicht nur Vergangenheitsbewältigung betreiben, sondern nicht zuletzt auch auf die ganz aktuelle Situation von Flüchtlingen und die Missachtung der Menschenrechte heute weltweit aufmerksam machen. Laut Amnesty International ist in den Gefängnissen von 141 Ländern noch immer Folter an der Tagesordnung. Heute sind mehr Menschen auf der Flucht, als nach dem zweiten Weltkrieg. Hohenschönhausen 1972 ist heute leider weltweit präsenter als je zuvor! Die Wiederaufnahmepremiere der Uraufführungsinszenierung wird am 21. Mai 2015 stattfinden, in Kooperation mit der Gedenkstätte Hohenschönhausen und mit Mitteln aus dem Wiederaufnahmefonds der Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten.


Spielort:
Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Genslerstraße 66
13055 Berlin

Alle weiteren Aufführungstermine finden Sie unter
www.drehbuehne-berlin.de