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Fachgebiet

Kriminologie und Soziale Arbeit

Kriminologie und Soziale Arbeit

Einführungstext
Zusammenfassung

Kriminologie ist die Wissenschaft von den Entstehungszusammenhängen und Erscheinungsformen jenes abweichenden Verhaltens, das als „crimen“ – Verbrechen – bezeichnet wird. Dabei beschäftigt sie sich besonders mit den Ursachen und Folgen der gesellschaftlichen Prozesse, die zur Bewertung „kriminell“ führen. Als praxisorientierte Wissenschaft nimmt sie Einfluss auf die Kriminalpolitik. Die Kriminologie vermittelt Wissen zwischen individuellem Verhalten und gesellschaftlichen Umständen, indem sie sowohl die jeweilige Situation des einzelnen Menschen als auch die gesellschaftlichen Verhältnisse analysiert und beides aufeinander bezieht.
Die in dem Beitrag vorgestellte sozialwissenschaftlich orientierte Kriminologie geht von der Erkenntnis aus, dass abweichende Verhaltensweisen stets Bestandteil menschlicher Gesellschaften sind. Eine Gesellschaft ohne Abweichung ist nicht vorstellbar. Diese Perspektive kann die für die Praxis der Sozialen Arbeit notwendig verstehende Haltung unterstützen und ihr Wegweisung für ihren Umgang mit dem Grundkonflikt von Hilfe und Kontrolle bieten.
Für die Soziale Arbeit ist kriminologisches Wissen daher unabdingbar, da ihre Arbeitsfelder häufig in der Strafjustiz angesiedelt sind – von der Bewährungshilfe über die Gerichtshilfe bis hin zum Strafvollzug und der Freien Straffälligenhilfe sowie der Jugendhilfe im Strafverfahren. Dabei geht es um unterschiedliche Formen der Unterstützung und Hilfe – vor allem auch hinsichtlich der Folgen der Kriminalisierung und Sanktionierung.
Auch im Kontext von Delinquenz steht die Soziale Arbeit im Verhältnis zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen und Professionen mit anderen Perspektiven und professionellen Handlungen. Die Soziale Arbeit hat sich in diesem Arbeitsfeld in den letzten Jahrzehnten sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht deutlich ausgeweitet, wobei sie Erkenntnisse der Psychologie, Soziologie und Medizin eben-so einbeziehen kann, wie diese die der Sozialen Arbeit.
Die Erkenntnisse der Kriminologie können für die Praxis der Sozialen Arbeit nicht nur hilfreich sein, sondern sie ist durch ihre fallbezogene Verarbeitung oft erst handlungsfähig. Das Verstehen der Lebenswelt und der Bedingungen der Lebenslage sind für spezifische Hilfeangebote ebenso wichtig wie Ergebnisse der Rückfallforschung, die nahelegen, dass eine möglichst frühe, möglichst harte Sanktion unter dem Motto „Wehret den Anfängen“ eben nicht besonders kriminalpräventiv wirkt.

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Beitrag
Kriminologie und Soziale Arbeit

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Titel

Kriminologie und Soziale Arbeit

DOI

10.3262/ESOZAO15260020

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Print ISSN

2944-4160

Verlag

Beltz Juventa

Autoren

Heinz Cornel / Michael Lindenberg

Schlagwörter

Lebenslage
Ätiologie
Abweichendes Verhalten
Delinquenz
Dunkelfeld
Labeling Approach
Diversion
Hellfeld
Selektivität des Strafrechts
Soziale Arbeit und Kriminalpolitik

NEU Fachgebiet: Methoden und Handlungskonzepte

In Kürze erscheinen die ersten Beiträge zum Fachgebiet »Methoden und Handlungskonzepte«. Die Einleitung von Kerstin Balkow, Michael Domes, Jutta Harrer-Amersdorffer und Peter-Ulrich Wendt steht bereits zur Verfügung.

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